hyper-links #157

apabiz – antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e.V.

Das apabiz entstand in den 1980er-Jahren und feierte 2016 als Verein seinen 25. Geburtstag. Schwerpunktmäßig arbeiten die überwiegend ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen zur extremen Rechten. Sie betreiben das umfangreiche Archiv in Kreuzberg, das von antifaschistisch Aktiven für Recherchen genutzt werden kann und bearbeiten konkrete Anfragen zur extremen Rechten in Deutschland nach 1945. Im Kontext der Berliner Senatswahlen lieferte das apabiz umfangreiche Analysen zur Position der AfD im Netzwerk rechter Gruppierungen. Zuletzt wurde eine Analyse extrem rechter und asylfeindlicher Straßenproteste in Berlin im Jahr 2016 veröffentlicht. Wir sprechen mit Mitarbeiter*innen des apabiz über ihre aktuellste Arbeit, insbesondere im Hinblick auf die jüngste rechte Gewalt in Berlin(-Neukölln).

 

 

Workshop „Material und Begriff. Arbeitsverfahren und theoretische Beziehungen Walter Benjamins“

Von 24.- 26. März 2017 findet im Zentrum für Literatur- und Kulturforschung in Berlin eine Tagung zu einem Aspekt von Walter Benjamins Arbeiten statt, der in der weiten Rezeption vernachlässigt wird: seine konkrete Arbeit am Material und an den Begriffen in der „Auseinandersetzung mit [Texten von] politischen Gruppierungen und sozialen Bewegungen“. Wir sprechen mit Nicos Tzanakis-Papadakis und Frank Voigt, zwei der Organisatoren der Tagung, über das ‚Andere‘ der Vorgehensweise, Lesarten und über Walter Benjamin, den politischen Intellektuellen.

 

 

The Platypus Affiliated Society

„Platypus is a project for the self-criticism, self-education, and, ultimately, the practical reconstitution of a Marxian Left. At present the Marxist Left appears as a historical ruin. […] Our task is critique and education towards the reconstitution of a Marxian Left. Platypus contends that the ruin of the Marxist Left as it stands today is of a tradition whose defeat was largely self-inflicted […]. If the Left is to change the world, it must first transform itself!“ (Text von der Platypus-Homepage)

Dieser Vorgabe folgt die internationale Platypus Affiliated Society „durch das Medium gegenseitiger Kritik und Bildung“ in ihrer Arbeit durch Vorträge, Diskussionen, Lesekreise – und auch in der dritten „European Conference“, die Mitte Februar in Wien stattfand. Darüber und über Perspektiven linker Theorie befragen wir eine Vertreterin des Platypus-Chapters Berlin – in englischer Sprache.

 

Lucas Norer: The Lisbon Route Project

Im Verlauf der Sendung werden Auszüge des Klangkunstprojekts The Lisbon Route Project des Künstlers Lucas Norer zu hören sein, in dem es um Flucht und Exil geht – insbesondere um die Fluchtroute aus Nazi-Deutschland nach Portugal und weiter, die auch Walter Benjamin bis Portbou an der französisch-spanischen Grenze genommen hat.

 

Tracklist

  • Iggy Pop – German Days
  • The Minor Victories – Higher Hopes
  • und Exzerpte von: Lucas Norer – „The Lisbon Route Project“

Watch & Leak & Sabotage #155

Justiz Watch

Mitglieder der Gruppe Justiz Watch sind bei uns im Studio und sprechen mit uns über ihre Arbeit, institutionellen Rassimus im Justizapparat sowie laufende Fälle, die von der Gruppe beobachtet werden.

Aus der Selbstbeschreibung:

„Wir sind eine Gruppe, die sich mit dem Thema Rassismus in der Justiz auseinandersetzt. Schwerpunkt unserer Arbeit ist die Durchführung und Auswertung von Prozessbeobachtungen in Berlin.

Die kritische Rassismusforschung versteht Rassismus als Phänomen, das auf allen gesellschaftlichen Ebenen wirkt. Und dennoch gibt es gegenwärtig in der Bundesrepublik kaum wissenschaftliche Literatur und keine größeren Forschungsprojekte zum Thema „Rassismus in der Justiz“. […]

Die Projekte ReachOut (Berliner Beratungsstelle für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt) und KOP (Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt) sammelten in ihrer langjährigen Arbeit mit Betroffenen viele Erfahrungen mit Rassismus in der Justiz. Daraus entstand die Idee, eine Arbeitsgruppe zu gründen, die zu dem Thema Rassismus und Justiz arbeitet und somit aufzeigt, dass Rassismus auch im deutschen Justizsystem ein Problem darstellt. JUSTIZWATCH besteht seit Anfang des Jahres 2014 und beobachtet und dokumentiert in Kooperation mit ReachOut und KOP regelmäßig Prozesse vor allem in Berlin.“

 

 

Berlin Leaks

Berlin Leaks bietet ein klassisches Whistleblower-Portal, wie wir das von anderen Stellen her kennen als Anlaufstelle, um Menschen möglichst anonymisiert die Möglichkeit zu bieten, vertrauliche Dokumente zu veröffentlichen. Warum das sinnvoll sein kann, ob das wirklich sicher ist und warum es für Berlin ein eigenes Portal braucht – diese und einige Fragen mehr werden wir im Studio mit einem Vertreter diskutieren. Zur Vorwarnung: Das Gespräch wird auf englisch stattfinden.

Ein Auszug von der Website:

„Wir sind eine kleine Gruppe von Leuten, die Zeit investieren, wenn wir können. Wir haben keine Finanzierung. Wir haben kein Büro.

Wenn du glaubst, mit dem Mittel des investigativen Journalismus die Politik zu formen oder du denkst das Informationen frei sein sollten, dann komm und mach mit.

Aktuell suchen wir: […]“

 

 

Infos zur Berliner Anti-G20-Vollversammlung vor dem G20-Gipfel in Hamburg

2017 hat die Bundesrepublik Deutschland den Vorsitz der G20-Gruppe übernommen und richtet das Gipfeltreffen entsprechend im eigenen Land aus. Die offizielle Seite der Hansestadt Hamburg beschreibt den dort am 7. und 8. Juli 2017 anstehenden Gipfel unter anderem so:

„Der Hamburger Gipfel wird das erste Treffen der G20 in einem Industrieland nach der Verabschiedung der Globalen Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDG) durch die Vollversammlung der Vereinten Nationen im September 2015 sein. Der Senat wirbt dafür, dass das Treffen der Staats- und Regierungschefs in Hamburg auch ein Signal für eine gerechte Gestaltung der Globalisierung aussendet.“

Diesen versöhnlichen Worten trauen radikale Kritiker*innen freilich wenig, heftige Proteste sind also zu erwarten, daher weiter die Hamburger Stadtverwaltung:

„Eins ist klar: Die Erfahrungen früherer G20-Gipfeltreffen zeigen, dass es Einschränkungen und Behinderungen für die Hamburgerinnen und Hamburger geben wird. […] Wie stark diese Einschränkungen für welchen Zeitraum sein werden, […]“

…wird unter anderem davon abhängen, wie heftig die Proteste ausfallen werden. Mobilisierung und Vorbereitungen laufen an, am 28.1. fand eine Vollversammlung in den Berliner Mehringhöfen statt, über deren Ergebnisse und Perspektiven wir mit einer der Orga-Gruppe sprechen werden.

Ein Auszug von der Website der „Autonom-anarchistische[n] AntiG20-Vernetzung Berlin“:

„Verhandelt wird der gemeinsame globale Rahmen, in dem sich Herrschaft und Ausbeutung vollziehen. Stabilisiert wird eine Welt der Kriege, patriarchaler Gesellschaften und kolonialer Kontinuität, eine Welt der kapitalistischen Vernichtung unserer menschlichen und ökologischen Lebensgrundlagen. Lasst uns diskutieren, war wir diesem G20-Gipfel entgegensetzen können und wollen!“

 

„lieben, was es nicht gibt“ – Ronald M. Schernikau #154

Moderatorin Niki Matta im Gespräch mit Helen Thein über den Aufsatzbandes „lieben, was es nicht gibt“ – Literatur, Pop und Politik bei Ronald M. Schernikau“, den sie gemeinsam mit Helmut Peitsch im Verbrecher Verlag herausgegeben hat.

Ronald M. Schernikau (1960-1991) veröffentlichte sein Debüt „Kleinstadtnovelle“ bereits vor seinem Abitur. Er wurde in der DDR geboren, von der Mutter zum Vater in den Westen geschmuggelt, der längst eine neue Familie hatte. Schwul zu sein war eine Facette des Andersseins, das er als Mittendrin verstand. Nach einem Studium am Literaturinstitut in Leipzig ließ er sich 1989 in die DDR rückeinbürgern. An seinem letzten Buch, der „Legende“, schrieb er acht Jahre lang, bis zu seinem Tod an AIDS 1991.

http://www.verbrecherverlag.de/book/d
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Ronal
http://www.schernikau.net/

 

Gegen Rechts #153

Neukölln gegen Rechtspopulismus

Seit den Berlin-Wahlen 2016 sitzen in der Neuköllner Bezirksverordnetenversammlung (BVV) 7 Vertreter der sog. „Alternative für Deutschland (AfD)“. Der AfD stünde damit ein Stadtratsposten zu (einer von insg. 7 in Berlin), allerdings fiel der Kandidat im vergangenen Dezember bei der Wahl (vorerst) durch. In Reaktion auf die hohen Ergebnisse der AfD in Neukölln und Berlin formierten sich verschiedene Akteur*innen, um aktiv gegen die rassistische, sexistische usw. Politik der AfD anzutreten. Im Dezember 2016 veranstalteten Neuköllner Buchläden eine Reihe mit Vorträgen und Workshops „gegen Rechtspopulismus und Rassismus“ – einer der Buchläden wurde noch vor dem Jahreswechsel angegriffen, wie auch zahlreiche weitere linke Organisationen und Personen in Neukölln. Wir sprechen im Studio mit drei Vertreter*innen der „Neuköllner Buchläden“ über ihre Erfahrungen mit der AfD und rechter Gewalt in Neukölln, ihre vergangenen Veranstaltungen und mögliche weitere Schritte. Außerdem wurden Vertreter*innen des Bündnis Neukölln und des Cafés K-Fetisch angefragt.

 

 

Veranstaltungshinweis: Was tun gegen Rechts? Faschismus – Kapitalismus – Gewerkschaften

„Was tun gegen Rechts? Faschismus • Kapitalismus • Gewerkschaften 18. Januar 2017, 17:00h – 20:00h, DGB Berlin-Brandenburg, Keithstraße 1-3, Berlin (U-Bahnhof Wittenbergplatz)

Die Geschwindigkeit, mit der rechte Ideologien, Bewegungen und Parteien in Deutschland wieder an Einfluss gewinnen, und die Menschenverachtung und Brutalität, die sie ganz offen an den Tag legen können, ist erschreckend. Dabei ist die Nachricht, dass Gewerkschaftsmitglieder überproportional AfD wählen, ein Schlag ins Gesicht aller linken Gewerkschaftsaktiven. Denn Gewerkschaften leisten bis heute eine wichtige Arbeit gegen Rechts. Doch wie konnte es zu dieser rechten Offensive kommen? Und wie nicht verzweifeln angesichts ähnlicher Entwicklungen in vielen anderen Ländern? Ein Blick in die Vergangenheit, eine Befragung und Auswertung früherer Versuche und Kämpfe kann helfen, Antworten auf diese Fragen zu finden.

[…]

INPUTS Frank Voigt: Walter Benjamins Analyse des Faschismus Christoph Gollasch: „Des Geldes wegen“ – Geldkritik von rechts Johanna Lauber: Streiken gegen Deportationen. Der Februarstreik in den Niederlanden 1941“ (übernommen aus der Veranstaltungsankündigung)

 

Blauwahl? What the fuck?! #147

Webdokumentation http://www.hoyerswerda-1991.de – 25 Jahre nach den Pogromen

„Ab Mitte September 2016 ist hier eine Webdokumentation zu sehen, die aus vielfältigen Perspektiven über Ursachen, Ablauf und Folgen der tagelangen Angriffe auf Migrantinnen und Migranten 1991 in Hoyerswerda (Sachsen) informiert. […] Eine Produktion der out of focus Filmproduktion und der Initiative ‚Progrom 91′“

Wir sprachen am Telefon mit Matthias vom autofokus Videowerkstatt e.V. über das Projekt.

 

 

Bergpartei, die „ÜberPartei“ – über die Berliner Senatswahl 2016

„BERGPARTEI? HÄ? Ja, genau, die berliner Bergpartei. Wir sind kein Alpenverein und keine christliche Sekte. Berge gibts in Berlin genug, z.b. Kreuzberg, Prenzlauer Berg, Schöneberg… zwischen Schulden- und Trümmerbergen gibts in Berlin aber vor allem eins: Berge von Möglichkeiten.“

Zwei Vertreter der Berliner Kleinpartei waren im Studio: Pastor Leumund aka Jan Theiler und Benjamin Beni Richter. Wir sprachen über die anstehenden Wahl, Sinn und Unsinn von Klein(st)parteien und einiges mehr..

 

 

„Stoppt die AfD!“ – Demo von Nationalismus ist keine Alternative Berlin

Demo-Aufruf gegen von Storchs Zentrum »Zivile Koalition« in Mitte Fr. 16. September | 18.00 Uhr | S-Bhf. Schönhauser Allee

Wir sprachen per Telefon mit einem Vertreter von Nationalismus ist keine Alternative (nika) Berlin.

„Wann immer es eine rechte Kampagne zu lancieren gab, konnte sich die Bundes-AfD auf von Storchs Medien-Netzwerk stets verlassen. Sie gilt als einflussreiche Lobbyistin innerhalb des konservativen Spektrums. Zusammen mit ihrem Mann, Sven von Storch, unterhält sie unter dem Dach des »Zivile Koalition e.V.« zahlreiche Online-Seiten die gegen Geflüchtete und Muslime, gegen Abtreibungen, Homoehe und den Euro mobil machen. Mit Online-Kampagnen versucht der Verein Druck auf unliebsame Politiker*innen auszuüben. »Zivile Koalition« und AfD sind eng verschmolzen.“

 

 

„Marsch für das Leben“? What the fuck?!

Aus dem Demo-Aufruf des Bündnisses 17. September 2016, 12:00 Uhr, S-Bahn Anhalter Bahnhof

„Antifeminismus sabotieren! Für körperliche Selbstbestimmung demonstrieren! Christliche FundamentalistInnen blockieren! Dem Marsch, seinen AkteurInnen und ihrem Gedankengut entschlossen entgegentreten!

Für den 17. September 2016 mobilisiert der Bundesverband Lebensrecht (BVL) zu einem „Marsch für das Leben“ in Berlin. Der “Marsch”, der bereits seit 2002 in Berlin stattfindet, ist einer der wichtigsten öffentlichen Auftritte der selbsternannten „LebensschützerInnen“, bei dem sie sich für ein generelles Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen einsetzen sowie ein christlich-fundamentalistisches Weltbild zelebrieren.“

 

Rotsehen/Schwarzsehen #146

La Resistenza: das Istoreco (Michele Bellelli), die Sentieri Partigiani & das European Resistance Archive (Steffen Kreuseler)

Der italienische Widerstand (Resistenza) gegen den NS- und Italo-Faschismus hat seine eigene Tradition. Er wurde von einer breiten gesellschaftlichen Koalition getragen und daran wird heute in verschiedenen Formen erinnert. Das Istoreco (Institut für die Geschichte des Widerstands und der Gegenwartsgesellschaft der Provinz Reggio-Emilia) nimmt sich in dieser Aufgabe im Sinne der Erinnerungsarbeit und Politischen Bildung an. Wir haben Michele Bellelli dort besucht und uns in die vielfältigen Aufgaben des Instituts einführen lassen. In Berlin und Deutschland ist das Institut u.a. bekannt, weil gemeinsam mit verschiedenen Kooperationspartner*innen sogenannte Partisan*innenwanderungen durchgeführt werden – Wanderungen, bei denen im Apennin nicht nur historische Wege beschritten werden, sondern nach Möglichkeit direkter Austausch mit Zeitzeugen und damaligen Aktivist*innen stattfindet. Steffen Kreuseler ist Teil des Kernteams dieser Wanderungen und liefert Erfahrungsberichte und Hintergründe zur Idee. Zudem wurde 2007 das European Resistance Archive (ERA) online gestellt, in welchem Interviews mit Veteraninnen und Veteranen des antifaschistischen Widerstands aus verschiedenen europäischen Ländern zu finden sind. Dieses Archiv soll in Bälde einen Relaunch erfahren.

Schwarzhörer, Schwarzseher, Heimliche Leser. Die DDR und die Westmedien

Bei uns ist heute Franziska Kuschel zu Gast. Sie hat in den letzten Jahren erforscht, wie die Ossis Westmedien konsumiert haben und wie versucht wurde Westmedien im Osten zu verbieten. Franziska Kuschel, geboren 1980, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF) in Potsdam. Das Buch wurde 2015 als Dissertation an der HU Berlin angenommen.

Aus dem Klappentext: „Die DDR konnte sich nur im geringen Maße gegenüber den westlichen Medien abschotten. Auf diese Weise entstand hier eine komplexe Mediengesellschaft, die Radio und Fernsehen, aber auch Publikationen aus zwei Systemen konsumierte und damit alltäglich die SED-Diktatur herausforderte. Franziska Kuschel untersucht zum einen die Strategien des Staates, den Konsum westlicher Medien zu verhindern oder wenigstens zu kontrollieren und einzudämmen, die vor allem in den 1950er und 60er-Jahren die Kriminalisierung der sogenannten ‚geistigen Grenzgänger‘ einschlossen. Zum anderen nimmt sie Strategien der Mediennutzer, diesem Druck zu begegnen und auszuweichen unter die Lupe. Erstmals wird so das Wechselverhältnis zwischen staatlicher Kontrolle und der eigensinnigen Aneignung der Medien analysiert.“

Rigaer94 bleibt!

Aktuelle Infos unter:

Korrektur zum Telefon-Interview: Der Wagenplatz Kanal in Berlin wurde nicht geräumt, steht aber unter aktuer Räumungsbedrohung. Die Argumentation ist in der Tat dieselbe wie bei der Rigaer94.

Überwachungsgesamtsch***e #144

digitalcourage e.V. – Überwachungsgesamtrechnung

Der Bielefelder Verein digitalcourage, der 2017 übrigens seinen 30er feiert, ist vor allem für die Verleihung der Big Brother Awards in Deutschland bekannt. Dieses Jahr wurden etwa der Verfassungsschutz, Change.org oder die Berliner Verkehrsbetriebe in verschiedenen Kategorien ausgezeichnet. Insgesamt hat sich digitalcourage der Schnittmenge von Technik und Politik verschrieben, bietet auf seiner Seite u.a. umfassendes Material zur digitalen Selbstverteidigung an und ist mit seiner Arbeit zwischen Aktivismus und Bildungsarbeit angesiedelt.

Über den neuesten Clou, der erst diesen Montag veröffentlicht wurde, sprechen wir mit Rena Tangens. Dieser Clou besteht in einer „Überwachungsgesamtrechnung“ für Deutschland, d.h. in einer Aufstellung sämtlicher staatlichen Überwachungsmaßnahmen seit 2010 (nicht ihrer Kosten, wie vermutet werden könnte), denn „[a]lle staatlichen Maßnahmen zur Überwachung dürfen nicht ausschließlich einzeln für sich bewertet werden, sondern müssen unbedingt in ihrer Gesamtsumme betrachtet werden. Denn in ihrer Summe dürfen sie nicht das für eine Demokratie erträgliche Maß an Überwachung überschreiten.“

Christoph Wachter & Mathias Jud – Can You Hear Me? #NSA #GCHQ #BND

Die beiden Künstler Christoph Wachter und Mathias Jud beschäftigen sich in ihren Arbeiten mit einem ähnlichen Feld wie digitalcourage: Medientechnologie spielt eine Rolle, ihre Arbeiten können durchwegs als politisch bezeichnet werden und vielfach ermöglichen sie einen Erkenntnisgewinn auf Seiten des ‚Publikums‘, dem ebenso vielfach eine klassische Publikumsrolle verweigert wird.

Eine der letzten Arbeiten, Can You Hear Me?, bestand Ende 2014 in einer technisch-künstlerischen ‚Installation‘ auf der Berliner Akademie der Künste, die über ein offenes Netzwerk ermöglichte, mit den Geheimdiensten der umliegenden Botschaften (USA, UK) in Kontakt zu treten. Diese konnten nicht anders als hinzuhören. Unabhängige Netzwerke können aber auch von Protestierenden oder Schutzsuchenden genutzt werden, um Zugang zu lebensnotwendigen Informationen mitzuteilen und zu erhalten – auch damit haben die Künstler Erfahrungen gemacht..

mediale pfade – Data Run: Ein Alternate Reality Game zum Thema Überwachung

Schließlich stellt sich die Frage, wie digitale Übewachung und Datenschutz Kindern und Jugendlichen gegenüber zum Thema gemacht werden können; wie Wissen darüber vermittelt werden kann, ohne dass es nach Unterricht riecht; wie Können erlernt werden kann, ohne gleich notwendig in einen neuen Employability-Eintrag im Lebenslauf zu münden; wie der Zusammenhang von Medientechnologien und politischen Abläufen verständlich gemacht werden kann, sodass nicht nur ein Aha-Effekt einsetzt, sondern die Beteiligten auch noch Spaß dabei haben. Eine Antwort auf diese Fragen liefert Data Run, ein Planspiel, das vom Berliner Verein Mediale Pfade.de – Agentur für Medienbildung konzipiert wurde und seit diesem Februar regelmäßig im Deutschen Technikmuseum in Berlin mit Schulklassen durchgeführt wird. Teammitglied Matthias Kamps wird über Data Run und darüber berichten, ob die bisherigen Durchläufe die Hoffnungen erfüllen konnten.

 

Fanschal-Strickworkshop für Fußballfans

 Unter dem Titel „DEIN VEREIN. DEINE FARBEN. DEIN SCHAL“ lud „Gesellschaftsspiele“, der Berliner Verein „für Bildungsarbeit im Kontext von Fußball und Gesellschaft am 25. & 28. Mai zu einem Strick-Workshop für Fußball-Fans des Potsdamer Clubs SV Babelsberg 03 und anderen:

„Am 28. Mai werden wir mit unseren Stricknadeln dann auf Auswärtsfahrt zum Pokalfinale gehen. Denn an diesem Tag findet nicht nur das Champions League Finale statt, auch die Brandenburger Fußballvereine tragen ihr Endspiel aus. Im „Seeli“, dem schmucken Werner-Seelenbinder-Stadion Luckenwalde stehen sich in diesem Jahr der FSV 63 Luckenwalde und der SV Babelsberg 03 gegenüber – feinste Fußballschal-Strickatmosphäre.“ (http://gesellschaftsspiele.berlin/)