Blauwahl? What the fuck?! #147

Webdokumentation http://www.hoyerswerda-1991.de – 25 Jahre nach den Pogromen

„Ab Mitte September 2016 ist hier eine Webdokumentation zu sehen, die aus vielfältigen Perspektiven über Ursachen, Ablauf und Folgen der tagelangen Angriffe auf Migrantinnen und Migranten 1991 in Hoyerswerda (Sachsen) informiert. […] Eine Produktion der out of focus Filmproduktion und der Initiative ‚Progrom 91′“

Wir sprachen am Telefon mit Matthias vom autofokus Videowerkstatt e.V. über das Projekt.

 

 

Bergpartei, die „ÜberPartei“ – über die Berliner Senatswahl 2016

„BERGPARTEI? HÄ? Ja, genau, die berliner Bergpartei. Wir sind kein Alpenverein und keine christliche Sekte. Berge gibts in Berlin genug, z.b. Kreuzberg, Prenzlauer Berg, Schöneberg… zwischen Schulden- und Trümmerbergen gibts in Berlin aber vor allem eins: Berge von Möglichkeiten.“

Zwei Vertreter der Berliner Kleinpartei waren im Studio: Pastor Leumund aka Jan Theiler und Benjamin Beni Richter. Wir sprachen über die anstehenden Wahl, Sinn und Unsinn von Klein(st)parteien und einiges mehr..

 

 

„Stoppt die AfD!“ – Demo von Nationalismus ist keine Alternative Berlin

Demo-Aufruf gegen von Storchs Zentrum »Zivile Koalition« in Mitte Fr. 16. September | 18.00 Uhr | S-Bhf. Schönhauser Allee

Wir sprachen per Telefon mit einem Vertreter von Nationalismus ist keine Alternative (nika) Berlin.

„Wann immer es eine rechte Kampagne zu lancieren gab, konnte sich die Bundes-AfD auf von Storchs Medien-Netzwerk stets verlassen. Sie gilt als einflussreiche Lobbyistin innerhalb des konservativen Spektrums. Zusammen mit ihrem Mann, Sven von Storch, unterhält sie unter dem Dach des »Zivile Koalition e.V.« zahlreiche Online-Seiten die gegen Geflüchtete und Muslime, gegen Abtreibungen, Homoehe und den Euro mobil machen. Mit Online-Kampagnen versucht der Verein Druck auf unliebsame Politiker*innen auszuüben. »Zivile Koalition« und AfD sind eng verschmolzen.“

 

 

„Marsch für das Leben“? What the fuck?!

Aus dem Demo-Aufruf des Bündnisses 17. September 2016, 12:00 Uhr, S-Bahn Anhalter Bahnhof

„Antifeminismus sabotieren! Für körperliche Selbstbestimmung demonstrieren! Christliche FundamentalistInnen blockieren! Dem Marsch, seinen AkteurInnen und ihrem Gedankengut entschlossen entgegentreten!

Für den 17. September 2016 mobilisiert der Bundesverband Lebensrecht (BVL) zu einem „Marsch für das Leben“ in Berlin. Der “Marsch”, der bereits seit 2002 in Berlin stattfindet, ist einer der wichtigsten öffentlichen Auftritte der selbsternannten „LebensschützerInnen“, bei dem sie sich für ein generelles Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen einsetzen sowie ein christlich-fundamentalistisches Weltbild zelebrieren.“

 

Rotsehen/Schwarzsehen #146

La Resistenza: das Istoreco (Michele Bellelli), die Sentieri Partigiani & das European Resistance Archive (Steffen Kreuseler)

Der italienische Widerstand (Resistenza) gegen den NS- und Italo-Faschismus hat seine eigene Tradition. Er wurde von einer breiten gesellschaftlichen Koalition getragen und daran wird heute in verschiedenen Formen erinnert. Das Istoreco (Institut für die Geschichte des Widerstands und der Gegenwartsgesellschaft der Provinz Reggio-Emilia) nimmt sich in dieser Aufgabe im Sinne der Erinnerungsarbeit und Politischen Bildung an. Wir haben Michele Bellelli dort besucht und uns in die vielfältigen Aufgaben des Instituts einführen lassen. In Berlin und Deutschland ist das Institut u.a. bekannt, weil gemeinsam mit verschiedenen Kooperationspartner*innen sogenannte Partisan*innenwanderungen durchgeführt werden – Wanderungen, bei denen im Apennin nicht nur historische Wege beschritten werden, sondern nach Möglichkeit direkter Austausch mit Zeitzeugen und damaligen Aktivist*innen stattfindet. Steffen Kreuseler ist Teil des Kernteams dieser Wanderungen und liefert Erfahrungsberichte und Hintergründe zur Idee. Zudem wurde 2007 das European Resistance Archive (ERA) online gestellt, in welchem Interviews mit Veteraninnen und Veteranen des antifaschistischen Widerstands aus verschiedenen europäischen Ländern zu finden sind. Dieses Archiv soll in Bälde einen Relaunch erfahren.

Schwarzhörer, Schwarzseher, Heimliche Leser. Die DDR und die Westmedien

Bei uns ist heute Franziska Kuschel zu Gast. Sie hat in den letzten Jahren erforscht, wie die Ossis Westmedien konsumiert haben und wie versucht wurde Westmedien im Osten zu verbieten. Franziska Kuschel, geboren 1980, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF) in Potsdam. Das Buch wurde 2015 als Dissertation an der HU Berlin angenommen.

Aus dem Klappentext: „Die DDR konnte sich nur im geringen Maße gegenüber den westlichen Medien abschotten. Auf diese Weise entstand hier eine komplexe Mediengesellschaft, die Radio und Fernsehen, aber auch Publikationen aus zwei Systemen konsumierte und damit alltäglich die SED-Diktatur herausforderte. Franziska Kuschel untersucht zum einen die Strategien des Staates, den Konsum westlicher Medien zu verhindern oder wenigstens zu kontrollieren und einzudämmen, die vor allem in den 1950er und 60er-Jahren die Kriminalisierung der sogenannten ‚geistigen Grenzgänger‘ einschlossen. Zum anderen nimmt sie Strategien der Mediennutzer, diesem Druck zu begegnen und auszuweichen unter die Lupe. Erstmals wird so das Wechselverhältnis zwischen staatlicher Kontrolle und der eigensinnigen Aneignung der Medien analysiert.“

Rigaer94 bleibt!

Aktuelle Infos unter:

Korrektur zum Telefon-Interview: Der Wagenplatz Kanal in Berlin wurde nicht geräumt, steht aber unter aktuer Räumungsbedrohung. Die Argumentation ist in der Tat dieselbe wie bei der Rigaer94.

Überwachungsgesamtsch***e #144

digitalcourage e.V. – Überwachungsgesamtrechnung

Der Bielefelder Verein digitalcourage, der 2017 übrigens seinen 30er feiert, ist vor allem für die Verleihung der Big Brother Awards in Deutschland bekannt. Dieses Jahr wurden etwa der Verfassungsschutz, Change.org oder die Berliner Verkehrsbetriebe in verschiedenen Kategorien ausgezeichnet. Insgesamt hat sich digitalcourage der Schnittmenge von Technik und Politik verschrieben, bietet auf seiner Seite u.a. umfassendes Material zur digitalen Selbstverteidigung an und ist mit seiner Arbeit zwischen Aktivismus und Bildungsarbeit angesiedelt.

Über den neuesten Clou, der erst diesen Montag veröffentlicht wurde, sprechen wir mit Rena Tangens. Dieser Clou besteht in einer „Überwachungsgesamtrechnung“ für Deutschland, d.h. in einer Aufstellung sämtlicher staatlichen Überwachungsmaßnahmen seit 2010 (nicht ihrer Kosten, wie vermutet werden könnte), denn „[a]lle staatlichen Maßnahmen zur Überwachung dürfen nicht ausschließlich einzeln für sich bewertet werden, sondern müssen unbedingt in ihrer Gesamtsumme betrachtet werden. Denn in ihrer Summe dürfen sie nicht das für eine Demokratie erträgliche Maß an Überwachung überschreiten.“

Christoph Wachter & Mathias Jud – Can You Hear Me? #NSA #GCHQ #BND

Die beiden Künstler Christoph Wachter und Mathias Jud beschäftigen sich in ihren Arbeiten mit einem ähnlichen Feld wie digitalcourage: Medientechnologie spielt eine Rolle, ihre Arbeiten können durchwegs als politisch bezeichnet werden und vielfach ermöglichen sie einen Erkenntnisgewinn auf Seiten des ‚Publikums‘, dem ebenso vielfach eine klassische Publikumsrolle verweigert wird.

Eine der letzten Arbeiten, Can You Hear Me?, bestand Ende 2014 in einer technisch-künstlerischen ‚Installation‘ auf der Berliner Akademie der Künste, die über ein offenes Netzwerk ermöglichte, mit den Geheimdiensten der umliegenden Botschaften (USA, UK) in Kontakt zu treten. Diese konnten nicht anders als hinzuhören. Unabhängige Netzwerke können aber auch von Protestierenden oder Schutzsuchenden genutzt werden, um Zugang zu lebensnotwendigen Informationen mitzuteilen und zu erhalten – auch damit haben die Künstler Erfahrungen gemacht..

mediale pfade – Data Run: Ein Alternate Reality Game zum Thema Überwachung

Schließlich stellt sich die Frage, wie digitale Übewachung und Datenschutz Kindern und Jugendlichen gegenüber zum Thema gemacht werden können; wie Wissen darüber vermittelt werden kann, ohne dass es nach Unterricht riecht; wie Können erlernt werden kann, ohne gleich notwendig in einen neuen Employability-Eintrag im Lebenslauf zu münden; wie der Zusammenhang von Medientechnologien und politischen Abläufen verständlich gemacht werden kann, sodass nicht nur ein Aha-Effekt einsetzt, sondern die Beteiligten auch noch Spaß dabei haben. Eine Antwort auf diese Fragen liefert Data Run, ein Planspiel, das vom Berliner Verein Mediale Pfade.de – Agentur für Medienbildung konzipiert wurde und seit diesem Februar regelmäßig im Deutschen Technikmuseum in Berlin mit Schulklassen durchgeführt wird. Teammitglied Matthias Kamps wird über Data Run und darüber berichten, ob die bisherigen Durchläufe die Hoffnungen erfüllen konnten.

 

Fanschal-Strickworkshop für Fußballfans

 Unter dem Titel „DEIN VEREIN. DEINE FARBEN. DEIN SCHAL“ lud „Gesellschaftsspiele“, der Berliner Verein „für Bildungsarbeit im Kontext von Fußball und Gesellschaft am 25. & 28. Mai zu einem Strick-Workshop für Fußball-Fans des Potsdamer Clubs SV Babelsberg 03 und anderen:

„Am 28. Mai werden wir mit unseren Stricknadeln dann auf Auswärtsfahrt zum Pokalfinale gehen. Denn an diesem Tag findet nicht nur das Champions League Finale statt, auch die Brandenburger Fußballvereine tragen ihr Endspiel aus. Im „Seeli“, dem schmucken Werner-Seelenbinder-Stadion Luckenwalde stehen sich in diesem Jahr der FSV 63 Luckenwalde und der SV Babelsberg 03 gegenüber – feinste Fußballschal-Strickatmosphäre.“ (http://gesellschaftsspiele.berlin/)

1976. Die DDR in der Krise (Buch) – Karsten Krampitz im Gespräch

(Verlagstext / Verbrecherverlag) Es hätte so schön sein können: Vor vierzig Jahren wurde der Palast der Republik eröffnet. Bei den Olympischen Sommerspielen in Montreal errang die DDR vierzig Goldmedaillen, der »Arbeiter- und Bauernstaat« war zur olympischen Weltmacht aufgestiegen. Erich Honecker löste Willi Stoph im Amt des Staatsratsvorsitzenden ab und war nun auch nominell der erste Mann im Staat. Und doch war das Jahr 1976 eine Zäsur in der Geschichte der DDR. Ein Erosionsprozess nahm seinen Anfang, der schließlich den SED-Machtapparat einstürzen ließ…

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Radia Obskura: Doppeltes Auswärtsspiel #142

„Verwahrlost und gefährdet?“

Viele Menschen haben in – vielfach kirchlich geleiteten – Heimen traumatisierende Erfahrungen machen müssen und lange wurde dies nicht anerkannt. Im Zuge intensiver öffentlicher Debatten wurden bundesweit immerhin Maßnahmen und/oder Einrichtungen zur Unterstützung von im Zeitraum 1949-75 Betroffenen ins Leben gerufen. Nora Wohlfarth, die im für BaWü zuständigen Landesarchiv als Projektmitarbeiterin tätig ist, gibt Einblicke in Archivrecherchen, Implikationen und nötige weitere Schritte. Unter dem Titel „Verwahrlost und gefährdet?“ wandert seit geraumer Zeit eine Ausstellung durch das Land.

Free as in ‚Free Folk‘, not as in ‚Free Beer‘

Zum siebten Mal wird diesen Sommer das Fanø Free Folk Festival auf der gleichnamigen, kleinen dänischen Insel stattfinden. Das Festival wird u.a. von Rasmus Steffensen organisiert und kann als „Mikro-Festival“ bezeichnet werden, abgezählte 150 Tickets sind im Vorverkauf zu erhalten, die Hauptbühne ist kein großer Kartoffelacker, sondern das Gemeindehaus in der kleinen Ortschaft Sønderho. Davon lebt auch die Musik, die sich im weitesten Sinn unter ‚Free Folk‘ versammelt: familiäre Atmosphäre, unmittelbare Beziehungen zwischen tatsächlich allen Anwesenden und das gelebte Experiment zwischen songs, noise und electronics.

Außerdem bekommen wir von Stefan Bornost (marx21) einen kurzen Ausblick auf die Konferenz „Marx Is Muss 2016“, die von 5. bis 8. Mai in Berlin stattfinden wird.

 

== Musik

# Tzeitel – Nign
# So Like Dorian – Cannibals
# Yngel – #12
# Marisa Anderson – Just A Closer Walk With Thee

Radia Obskura: Schurken im Wunderland #141

== Laidak

Laidak hat einen slawischen Wortstamm und bedeutet so etwas wie ‚Schurke‘ (behauptet zumindest das Polnisch-Wörterbuch). In Berlin-Neukölln steht ‚Laidak‘ vor allem für eine Schankwirtschaft am Boddinplatz, in der unterschiedliche Veranstaltungen stattfinden – Lesungen, Vorträge, Filmvorführungen, Theaterinszenierungen usw. Was diese über weite Strecken eint, ist ihr dezidiert politischer Charakter. Antisemitismus, -ziganismus, -sexismus und -rassismus sind nur einige der Themen, die bearbeitet werden, aber es gibt auch Ess- und Trinkbares. Im Februar feierten die Wirte das 4-jährige Bestehen – mit Verspätung feiern wir mit und laden sie ins Studio ein.

* http://laidak.net/

 

== MC Alice Dee & MXiML

„Alice Dee is a rapper making music for all the freaks out there“ und macht laut Internet „dhirrrty psycho happy hip hop“. Zwei Alben sind mittlerweile erschienen, zuletzt „Sichten der Dinge“ (2014), zahlreiche Zusammenarbeiten mit verschiedenen Artists, nicht nur aus Deutschland,. Aktuell ist sie viel mit MxiML live unterwegs, gemeinsam spielen sie analoge Sets. Einige Nummern daraus werden wir in der Sendung zu hören bekommen. Daran und in den Gesprächen mit den Künstlerinnen wird zu hören sein, dass die Musik hier nicht reine ‚Kunst für die Kunst‘ bleibt, sondern ein Weg ist, sich einzumischen, Gesellschaft zu beschreiben und zu verändern.

* http://alicedeemusic.bandcamp.com/

 

== Musik

EkoBrottsMyndigheten – Bockwurst
Alice Dee & MXiML – Alice D., Freiräume, ‚Instrumental‘, Freaks (live im Studio)

Radia Obskura: Volkes Stimmen und die Unfreiheit in der Freiheit #140

== Volkes Stimmen – Gespräch mit Siegfried Suckut

„Volkes Stimmen, »Ehrlich, aber deutlich« – Privatbriefe an die DDR-Regierung“ heißt ein Buch von Siegfried Suckut, das dieser Tage bei dtv erschien. Suckut veröffentlicht darin Hunderte von Briefen von DDR-Bürgern an die Staatsspitze, Parteifunktionäre, Medien und westdeutsche Politiker und Institutionen. In den Briefen äußerten DDR-Bürger ihre Meinung, manche offen unter ihrem Namen, die meisten anonym. Ihre Adressaten erreichten diese Schreiben niemals, dafür sorgte die Stasi, die täglich ca. 100.000 Briefe kontrollierte.

* http://dtv.de/buecher/volkes_stimmen_28084.html

== Feature: Freiheit macht unsichtbar – die Kehrseite der Wende 89 und die vietnamesischen Vertragsarbeiter

1989 verbinden viele Menschen in Deutschland immer noch mit einem Moment der „Freiheit“. Doch was bedeutete die deutsche „Einheit“ für Menschen, die nicht Teil der deutschen Mehrheitsgesellschaft waren? Ihre Stimmen blieben ungehört. Die Bilder von Rostock-Lichtenhagen, Hoyerswerda u.a. waren nicht nur die Offenbarung eines latent immer vorhandenen Rassismus in Deutschland – auch in der ehemaligen DDR – sondern sie waren auch ein Schock für die vietnamesische BewohnerInnenschaft der DDR. Bis 1989 waren sie willkommene Gäste im Land.

Eine Bestandsaufnahme einer Gruppe von Mitbewohnern und ehemaligen Vertragsarbeitern dieses kalten Landes Deutschland, von Phuong Thuy Nguyen und Katharina Common im Gespräch mit Zeitzeugen aus Halle und Magdeburg (u.a. Nguyen Duc Hoan, Nguyen Thi Cong, Thi Hoang Ha Vu, Nguyen Tien Duc und Thúy Nonnemann).

== Musik

# 岡村靖幸 – BU-SHAKA LOOP (2014)
# Thomas Natschinski Gruppe – Morgens In Der Stadt (Amiga A Go-Go Vol. 2: Deutsch- Demokratischer Beat – 2000)
# Liedertafel Margot Honecker – Überall, Wohin Man Schaut, Wird Aufgebaut (Gute Freunde – 1992)
# Thanh Nam “Tếu” 11 – Bonanza: Bát Ghen (Hồ #1 Roady Music From Viêtnam – 1998)