Blackfacing – Ein Kommentar

Denis Scheck, der oberste Literaturkritiker des öffentlich-rechtlichen deutschen Kulturfernsehens, schmiert sich schwarze Schuhcreme (Schminke)  ins Gesicht und zieht sich weiße Handschuhe an, um den Stuttgarter Thienemann Verlag an den Pranger zu stellen. Dieser Verlag streicht die rassistischen Bezeichnungen „Neger“ und „Zigeuner“ aus den bei ihnen erscheinden Bücher von Otfried Preußler. Das schmeckt Denis Scheck nicht. Der „Negerkönig“ soll weiter „Negerkönig“ heißen, so seine Meinung. Warum man aber, um diese kundzutun, selber zum Rassisten mutiert, bleibt ein Rätsel. Blackfacing – so heißt das, wenn man sich Schuhcreme (Schminke)  ins Gesicht schmiert – ist rassistisch. Aber davon hat man angeblich bei den Öffentlich-rechtlichen noch nie etwas gehört. Ein Kommentar.

Radia Obskura heute zu Blackfacing, Verschwörungstheorien und Wutbürgern

Zu hören Mittwoch, heute den 06. Februar, von 19 – 20 Uhr bei Freies Sender Kombinat (Hamburg), Pi Radio (Berlin) und Radio Corax (Halle).

Verschwörung allerorten?

80 Jahre nach dem Rückfall der deutschen Gesellschaft in eine mordlüsterne verschwörungstheoretische Sekte, konnten Aufklärung sowie der Sachzwang der Dinge die Deutschen nicht von ihrem wahnhaften Weltbild abbringen. Im Studiogepräch gibt Blogbetreiber Martin Wassermann im Vorfeld der Esoterik Tage im Berliner AVZ Logenhaus Auskunft über die Verschwörungs- und Esoszene. Sind also die Anhänger abstruser Verschwörungstheorien heutzutage Einzelgänger oder sichtbare Spitze des Eisbergs?

Blackfacing – Ein Kommentar

Denis Scheck, der oberste Literaturkritiker des öffentlich-rechtlichen deutschen Kulturfernsehens, schmiert sich schwarze Schuhcreme ins Gesicht und zieht sich weiße Handschuhe an, um den Verlag Friedrich Oetinger an den Pranger zu stellen. Dieser Verlag streicht die rassistischen Bezeichnungen „Neger“ und „Zigeuner“ aus den bei ihnen erscheinden Bücher. So auch bei Pipi Langstrumpf von Astrid Lindgren. Das schmeckt Denis Scheck nicht. Der „Negerkönig“ soll weiter „Negerkönig“ heißen, so seine Meinung. Warum man aber, um diese kundzutun, selber zum Rassisten mutiert, bleibt ein Rätsel. Blackfacing, so heißt das, wenn man sich Schuhcreme ins Gesicht schmiert, ist rassistisch. Aber davon hat man angeblich bei den Öffentlich-rechtlichen noch nie etwas gehört. Ein Kommentar.

Stuttgart21

Kommt jetzt, wie es aussieht, doch nicht. Und wenn, dann nur für doppelt so teuer. Die schwäbische Volksseele kocht vor Wut. Wutbürger eben. Und letztenendes wird wohl der Bahnchef seinen Hut nehmen. Warum und wieso? Wir haken nach.

Blackface und das deutsche Kulturfernsehen. Brief an die „Druckfrisch“- Redaktion

Ein Brief zu Denis Schecks Blackface- Performance und den anschließenden Stellungnahmen von Denis Scheck und der „Druckfrisch“- Redaktion.

Sehr geehrte Redaktion!

Ihre Stellungnahme zu dem Beitrag „Denis Scheck über Sprachexorzismus“ aus der Sendung vom 27. Januar 2013 lässt mich ratlos zurück. Sie verweisen tatsächlich auf eine Hamburger Othello- Inszenierung von 1976, um zu rechtfertigen, dass Denis Scheck 2013 in einem völlig anderen Kontext eine völlig anders geartete Blackface- Einlage zum Besten gibt?

Ich finde, dass man in der Sache, um die es in Herrn Schecks Kommentar ging, nämlich ob Begriffe in Kinderbüchern geändert werden sollen oder nicht, durchaus diskutieren kann. Ich glaube Ihnen auch, dass Herrn Scheck und der Redaktion nicht bewusst war, was man heute mit einer schlechten Minstrel- Show- Imitation im öffentlich-rechtlichen Fernsehen auslösen kann. Herr Scheck hat ja im Interview im Deutschlandfunk versucht, zu erklären, dass er wie im Karneval oder eben als eine Figur aus einem Kinderbuch habe auftreten wollen. Und dass er gar nicht mitbekommen habe, dass es eine Blackfacing- Diskussion gebe und es nicht sein könne, dass amerikanische moralische Werte auf die Welt ausgeweitet würden.

Das wirkt auf mich mindestens sehr unbedarft. Kann es wirklich sein, dass Herr Scheck und auch Ihre Redaktion noch so ungefähr im besagten Jahr 1976 leben? Dann möchte ich Sie gern einladen, eine kleine Zeitreise in das Jahr 2013 anzutreten, wo viele  Zahlende von Rundfunkgebühren „satirische“ rassistische Stereotypisierungen nicht mehr einfach hinnehmen, sondern heftig darauf reagieren. Das sind keine amerikanischen moralischen Werte. Kontext und Konnotation eines Begriffs oder eines Stilmittels ändern sich auch in Deutschland. Und auch in Deutschland leben viele Menschen, die sich durch Blackfacing diskriminiert fühlen und deren Erfahrungen man zu respektieren hat. Das könnte man vielleicht anerkennen und sich bei den Betreffenden entschuldigen, statt sich nur zu rechtfertigen und dabei auch noch plumpen Antiamerikanismus durchschimmern zu lassen.

Nein, es muss nicht „möglich sein, auch im Fernsehen das Theatermittel der schwarzen Schminke einzusetzen“ und das auch noch mit weißen Handschuhen und passender Musik zu ergänzen, um das Ganze besonders albern und minstrel- artig aussehen zu lassen. Und es ist keine Entschuldigung, direkt oder indirekt zu sagen, man sei ja ahnungslos gewesen und das Problem seien sowieso die Anderen, die politisch Überkorrekten, die von US- amerikanischen Werten Beeinflussten.

Das finde ich beschämend, unsensibel und arrogant.

Ich persönlich fordere keine Entschuldigung von Herrn Scheck, da ich nicht zu den durch solche Verzerrungen Diskriminierten gehöre. Ich fordere aber Herrn Scheck und auch die Redaktion auf, das Problem des Alltagrassismus und der eigenen rassistischen Wahrnehmungs- und Handlungsmuster ernst zu nehmen und es wenigstens zu diskutieren und sich kritisch selbst zu hinterfragen, statt auf allen Kanälen unreflektierte Rechtfertigungen zu verbreiten. Dabei hoffe ich, dass das redaktionsintern nach einer solchen Publikumsreaktion schon lange passiert ist. Ich selbst muss mich als Weiße in einer weißen Mehrheitsgesellschaft auch immer wieder mit meinen eigenen verinnerlichten Rassismen auseinandersetzen, und ich erwarte von der Redaktion einer Kultursendung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen das gleiche.

Mit freundlichen Grüßen,
A. Hartmetz

Zum Nachlesen und Nachhören hier die Stellungnahme der ARD und Denis Schecks Interview im Deutschlandfunk