Rotsehen/Schwarzsehen #146

La Resistenza: das Istoreco (Michele Bellelli), die Sentieri Partigiani & das European Resistance Archive (Steffen Kreuseler)

Der italienische Widerstand (Resistenza) gegen den NS- und Italo-Faschismus hat seine eigene Tradition. Er wurde von einer breiten gesellschaftlichen Koalition getragen und daran wird heute in verschiedenen Formen erinnert. Das Istoreco (Institut für die Geschichte des Widerstands und der Gegenwartsgesellschaft der Provinz Reggio-Emilia) nimmt sich in dieser Aufgabe im Sinne der Erinnerungsarbeit und Politischen Bildung an. Wir haben Michele Bellelli dort besucht und uns in die vielfältigen Aufgaben des Instituts einführen lassen. In Berlin und Deutschland ist das Institut u.a. bekannt, weil gemeinsam mit verschiedenen Kooperationspartner*innen sogenannte Partisan*innenwanderungen durchgeführt werden – Wanderungen, bei denen im Apennin nicht nur historische Wege beschritten werden, sondern nach Möglichkeit direkter Austausch mit Zeitzeugen und damaligen Aktivist*innen stattfindet. Steffen Kreuseler ist Teil des Kernteams dieser Wanderungen und liefert Erfahrungsberichte und Hintergründe zur Idee. Zudem wurde 2007 das European Resistance Archive (ERA) online gestellt, in welchem Interviews mit Veteraninnen und Veteranen des antifaschistischen Widerstands aus verschiedenen europäischen Ländern zu finden sind. Dieses Archiv soll in Bälde einen Relaunch erfahren.

Schwarzhörer, Schwarzseher, Heimliche Leser. Die DDR und die Westmedien

Bei uns ist heute Franziska Kuschel zu Gast. Sie hat in den letzten Jahren erforscht, wie die Ossis Westmedien konsumiert haben und wie versucht wurde Westmedien im Osten zu verbieten. Franziska Kuschel, geboren 1980, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF) in Potsdam. Das Buch wurde 2015 als Dissertation an der HU Berlin angenommen.

Aus dem Klappentext: „Die DDR konnte sich nur im geringen Maße gegenüber den westlichen Medien abschotten. Auf diese Weise entstand hier eine komplexe Mediengesellschaft, die Radio und Fernsehen, aber auch Publikationen aus zwei Systemen konsumierte und damit alltäglich die SED-Diktatur herausforderte. Franziska Kuschel untersucht zum einen die Strategien des Staates, den Konsum westlicher Medien zu verhindern oder wenigstens zu kontrollieren und einzudämmen, die vor allem in den 1950er und 60er-Jahren die Kriminalisierung der sogenannten ‚geistigen Grenzgänger‘ einschlossen. Zum anderen nimmt sie Strategien der Mediennutzer, diesem Druck zu begegnen und auszuweichen unter die Lupe. Erstmals wird so das Wechselverhältnis zwischen staatlicher Kontrolle und der eigensinnigen Aneignung der Medien analysiert.“

Rigaer94 bleibt!

Aktuelle Infos unter:

Korrektur zum Telefon-Interview: Der Wagenplatz Kanal in Berlin wurde nicht geräumt, steht aber unter aktuer Räumungsbedrohung. Die Argumentation ist in der Tat dieselbe wie bei der Rigaer94.